HVDC (High Voltage Direct Current) ist eine der anspruchsvollsten und bestbezahlten Spezialisierungen in der deutschen Energiewirtschaft. Wer die Kompetenz für Gleichstrom-Übertragungssysteme mitbringt, kann Gehälter von 98.000 € im Median verdienen, Top-Positionen gehen bis 140.000 €. Der Grund: Es gibt extrem wenige Experten – und eine riesige Nachfrage.
Warum HGÜ der Schlüssel zur Energiewende ist
Die deutsche Energiewende braucht den Transport großer Strommengen über lange Strecken – von den Offshore-Windparks der Nordsee zu den Lastzentren in Süddeutschland. Wechselstrom (AC) ist dafür ungeeignet, weil die Verluste über Entfernung zu groß werden. Gleichstrom (DC) dagegen kann über 500+ km mit minimalen Verlusten übertragen werden – vorausgesetzt, an beiden Enden steht eine Konverterstation, die AC zu DC und zurück umwandelt.
Diese Konverterstationen sind die Königsdisziplin der Hochspannungstechnik. Sie kosten 300-600 Mio. Euro pro Stück und werden nur von drei OEMs weltweit gebaut: Hitachi Energy (ehemals ABB), Siemens Energy und GE Vernova. Der Bau eines einzigen HGÜ-Projekts wie SuedLink erfordert rund 500 hochqualifizierte Ingenieure – über mehrere Jahre.
Gehälter: Warum 140.000 € realistisch sind
Der HVDC / HGÜ-Experte liegt bei einem Median von 98.000 € – das Top-Segment erreicht 140.000 €. Das ist kein Ausreißer, sondern Marktstandard. Gründe:
- Extreme Knappheit: In Deutschland gibt es geschätzt nur 200-400 echte HVDC-Experten mit Tiefenwissen in VSC oder LCC-Technologie. Und die Projekte brauchen Tausende.
- Internationale Konkurrenz: UK, USA, Indien und China brauchen ebenfalls HVDC-Experten. Deutsche Arbeitgeber müssen global konkurrenzfähige Gehälter zahlen.
- Lange Einarbeitungszeit: Ein HVDC-Ingenieur braucht 5-7 Jahre Spezialausbildung, um eigenständig arbeiten zu können. Die Ausbildung ist langsam und teuer.
- Projekthohe Risiken: Bei Projektvolumen von 1-3 Mrd. Euro pro Teilprojekt zahlen Arbeitgeber gerne Spitzengehälter für nachweisliche Erfahrung.
Die großen HGÜ-Projekte in Deutschland
Deutschland hat aktuell die größte HGÜ-Projektpipeline in Europa:
- SuedLink (TenneT + TransnetBW): 700 km HGÜ-Trasse von Brunsbüttel nach Großgartach bzw. von Wilster nach Bergrheinfeld. 4 GW Kapazität. Bauphase 2024-2028.
- SuedOstLink (TenneT + 50Hertz): 540 km HGÜ-Trasse von Wolmirstedt nach Isar. 2 GW Kapazität. Inbetriebnahme ab 2027.
- A-Nord (Amprion): 300 km HGÜ-Trasse von Emden nach Osterath. 2 GW Kapazität.
- Ultranet (Amprion + TransnetBW): 340 km von Osterath nach Philippsburg. 2 GW Kapazität.
- Rhein-Main-Link (Amprion + TenneT + TransnetBW): Nord-Süd-Verbindung mit mehreren Korridoren. Beschluss 2024.
- NordLink (TenneT + Statnett): Seekabel Deutschland-Norwegen (1,4 GW, in Betrieb seit 2021).
- Offshore HGÜ-Cluster (BalWin, DolWin, BorWin, SylWin): Alle deutschen Offshore-Windparks werden über HGÜ ans Land angeschlossen.
Insgesamt sind in Deutschland rund 15 GW HGÜ-Kapazität in Planung oder Bau. Jedes GW erfordert Dutzende Ingenieure über mehrere Jahre.
So kommst du in den HGÜ-Bereich
Der Einstieg in die HVDC-Welt ist nicht einfach, aber möglich. Die besten Pfade:
- Direkter Einstieg bei einem OEM: Siemens Energy (Erlangen, Nürnberg, Mülheim), Hitachi Energy (Ludvika/Schweden mit Rotation nach Deutschland), GE Vernova (Schenectady/USA oder Stafford/UK). Diese Unternehmen bilden HGÜ-Experten intern aus – Einstieg typisch mit Elektrotechnik-Masterabschluss und Schwerpunkt Leistungselektronik.
- Einstieg bei einem TSO: TenneT, 50Hertz, Amprion, TransnetBW rekrutieren aktiv HGÜ-Spezialisten. Hier ist der Einstieg auch als Elektrotechnik-Ingenieur mit AC-Erfahrung möglich, die Weiterbildung erfolgt intern.
- Einstieg über ein Planungsbüro oder EPC: Fichtner, Ingenieurgesellschaft Prof. Czylwik, Mott MacDonald, AFRY bieten Einstiegsmöglichkeiten. Der Übergang zu TSO oder OEM erfolgt dann nach 3-5 Jahren.
- Akademische Laufbahn: TU Dortmund (Institut ie3), RWTH Aachen (IAEW), Uni Erlangen-Nürnberg. Wer hier promoviert, hat exzellente Chancen auf eine R&D-Position bei Siemens Energy oder Hitachi Energy.
Wichtige Skills für HGÜ-Experten:
- Leistungselektronik (MMC-Topologien, VSC vs LCC)
- Netzsimulation (PSCAD, DIgSILENT PowerFactory, EMTP)
- Real-Time Digital Simulation (RTDS)
- IEC 61850 und Grid-Code-Compliance
- Englisch verhandlungssicher (HGÜ ist international)
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